Ezbet el Nakhl

Die Zabaleen – Leben und Arbeit im Müll

Wenn man in Kairo mit der Metro Richtung Nordosten fährt, kommt man nach Ezbet el Nakhl. Hier begannen Anfang der 1950er Jahre die ersten Müllsammler, verächtlich Zabaleen (Misthaufen) genannt, ihre Tätigkeit. Sie verdienen ihr Geld, indem sie Müll sammeln und nach wiederverwertbarem Material trenne: Papier, Glas, Plastik, Stoff und organisches Material. Dieses verkaufen sie dann an lokale Händler, die an große Produktionsstätten weiterverkaufen. Die Zabaleen haben sich in sieben verschiedenen Gebieten rund um Kairo angesiedelt, eines davon ist Ezbet El Nakhl. Überwiegend wurde diese Tätigkeit von Christen ausgeübt. Mittlerweile arbeiten aber auch viel Muslime als Zabaleen. Kommt man aus der Metrostation, schlägt einem schon der Gestank von verfaultem Abfall entgegen. Auf dem Weg zum Salam Center, einem diakonischen Zentrum mit einem Schwesternkonvent, sieht man hier und dort einen Tierkadaver auf der Straße liegen. Mittlerweile gibt es auch wieder Schweine zur Verwertung der organischen Abfälle, die vor einiger Zeit auf Anordnung der Regierung aus Angst vor der Schweinepest alle getötet wurden. Im direkten Müllgebiet leben ca. 6.000 Menschen, dicht an dicht in kleinen Blechhütten und rundherum in einfachen Häusern, in denen die untere Etage als Arbeitsbereich zur Müllsortierung genutzt wird. In den Straßen türmen sich Berge von sortiertem Abfall auf. Hunde, Katzen und Ratten streunen herum. In der Mitte dieses beklemmenden Umfeldes sieht man Kinder in Lumpen, die sich auch schon mal eine halbverfaulte Tomate aus dem Müll herausgreifen und essen.

Sr. Maria
Sr. Maria

In diesem beklemmenden Umfeld leben 20 Schwestern des Ordens der DSM im Salam Center. Eine davon, Sr. Maria ist gelernte Montessori-Pädagogin und Dr. paed. Sie ist die Priorin in Ezbet el Nakhl und lebt mit ihren Mitschwestern im direkten Müllgebiet. Das Salam Center beherbergt u.a. ein Krankenhaus, einen Kindergarten und eine große Einrichtung für die Arbeit mit Menschen mit Behinderung. Kinder aus staatlichen Schulen bekommen dort Nachhilfeunterricht und über das Qualifizierungzentrum erhalten junge Leute die Möglichkeit einen Beruf zu erlernen. Zudem gibt es ein Antidrogenprogramm  und eine AIDS-Beratungsstelle.